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Was können Gesundheitsberufe für meine Gesundheit tun?

Interview mit Prof.in (FH) Eva Maria Jabinger, fh gesundheit Innsbruck | MeinMed

Wer ist eigentlich wofür zuständig, wenn es um unsere Gesundheit geht? Und warum braucht es so viele verschiedene Gesundheitsberufe? In einem aktuellen MeinMed-Interview gibt Prof.in (FH) Eva Maria Jabinger von der fh gesundheit Innsbruck verständliche Antworten – und wirft gemeinsam mit Moderatorin und Vizerektorin Mag. Claudia Potocnik einen Blick auf die Vielfalt, Qualität und Zukunft der Gesundheitsversorgung in Österreich.

Qualität in der Gesundheitsversorgung ist in Österreich gesetzlich verankert. Seit rund 20 Jahren regelt das Gesundheitsqualitätsgesetz verbindliche Mindestanforderungen – unabhängig davon, ob jemand stationär, in der Langzeitpflege oder freiberuflich tätig ist. Dabei werden drei zentrale Dimensionen unterschieden:

  • Strukturqualität – Ausstattung, Personalschlüssel und Ausbildungsstand
  • Prozessqualität – reibungslose Abläufe zwischen den Berufsgruppen, Wartezeiten, korrekte Diagnosen
  • Ergebnisqualität – Patient:innenzufriedenheit, Informiertheit und der Umgang mit der eigenen Erkrankung

Das österreichische Gesundheitssystem umfasst eine breite Palette an Berufsgruppen – von Ärzt:innen über die Pflege bis hin zu den sogenannten medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufen, die auch an der fh gesundheit ausgebildet werden:

  • Diagnostische Berufe: Biomedizinische Analytiker:innen (Labor, Pathologie), Radiologietechnolog:innen (Röntgen, CT, MRI)
  • Therapeutisch-rehabilitative Berufe: Diätolog:innen, Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen, Physiotherapeut:innen
  • Pflege: Gesundheits- und Krankenpflege, Pflegefachassistenz, Pflegeassistenz, Community Nurses
  • Weitere Berufsgruppen: Hebammen, Heilmasseur:innen, Pharmazeut:innen, Psycholog:innen

Jede dieser Berufsgruppen ist Spezialist:in auf ihrem Gebiet – und genau diese Spezialisierung macht das Zusammenspiel so wertvoll.

Kein einzelner Beruf kann die Komplexität eines Menschen in allen seinen Gesundheitsbedürfnissen allein abdecken. Entscheidend ist deshalb die interprofessionelle Zusammenarbeit – und die beginnt bereits in der Ausbildung. An der fh gesundheit Innsbruck lernen die verschiedenen Berufsgruppen etwa im Modul „Gesundheitsberufe interdisziplinär“ miteinander und voneinander: Was macht die jeweils andere Berufsgruppe? Wo liegen ihre Kompetenzen? Wo kann ich hin überweisen oder ergänzend unterstützen?

Ergänzt wird das durch gemeinsame Trainings in Simulationszentren sowie digitale Plattformen wie ELGA, über die Befunde und Medikationen für alle Berufsgruppen zugänglich gemacht werden.

Die Herausforderungen der Zukunft sind bekannt: demografischer Wandel, kulturelle Diversität, wachsender Bedarf in der Langzeitpflege. Gleichzeitig eröffnen sich neue Wege in der Versorgung:

  • Primärversorgungszentren bieten interprofessionelle Leistungen vor dem stationären Bereich
  • Integrierte Versorgungsprogramme wie beispielsweise Herzmobil Tirol oder die Schlaganfall-Nachsorge begleiten Patient:innen auch zu Hause
  • Telemedizin und digitale Versorgung bringen Leistungen dorthin, wo Menschen leben – gemäß dem Grundsatz „digital vor ambulant vor stationär
  • Die Gesundheitshotline 1450 wird immer stärker als erste Anlaufstelle etabliert, betreut von kompetenten Fachkräften verschiedener Berufsgruppen

Ein zentrales Anliegen von Prof.in Jabinger: Gesundheit nicht erst dann zur Priorität machen, wenn etwas wehtut. Prävention und Gesundheitskompetenz – das Wissen, was man selbst für die eigene Gesundheit tun kann – sind entscheidende Hebel, um Menschen gar nicht erst in akute Versorgungssituationen geraten zu lassen. Die nichtärztlichen Gesundheitsberufe können hier übrigens auch ohne ärztliche Zuweisung direkt aufgesucht werden.


Das Interview entstand im Rahmen der MeinMed-Reihe und wurde von Claudia Podotschnik (fh gesundheit Innsbruck) moderiert. Weitere Informationen zur fh gesundheit sowie zum Studiengang Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen finden Sie auf fhg-tirol.ac.at.