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P1 Digitale Transformation in der Physiotherapie –Schlüsselfaktoren bei der Implementierung von digital unterstützten Behandlungspfaden

Manuel Schlattinger, BSc MBA, ist Leiter der Therapie an der Abteilung für Physikalische Medizin am A.ö. Landeskrankenhaus Hall in Tirol sowie freiberuflich als Physiotherapeut tätig. Im Rahmen seines MBA im Gesundheitswesen beschäftigte er sich mit der Implementierung digital unterstützter Behandlungspfade in der Physiotherapie. Sein Fokus lag auf der Analyse von Erfolgsfaktoren, Barrieren und daraus abgeleiteten Gelingensbedingungen. Die Gestaltung interprofessioneller Prozesse an der Schnittstelle zwischen therapeutischem Fachpersonal, Pflegepersonen und ärztlichem Personal ist ein wesentlicher Bestandteil seiner täglichen Arbeit.

Posterpräsentation auf dem 2. Tiroler Symposium für Qualität im Gesundheitswesen 2026

Hintergrund: Die Implementierung digital unterstützter Behandlungspfade in der stationären Physiotherapie bleibt trotz technologischer Verfügbarkeit und anerkanntem Potenzial eine organisationale Herausforderung. Die Diskrepanz zwischen wahrgenommenem Nutzen und tatsächlicher Nutzung im klinischen Alltag ist bislang unzureichend erforscht.

Zielsetzung/Fragestellung: Welche Faktoren beeinflussen die erfolgreiche Implementierung digital unterstützter Behandlungspfade in der stationären Physiotherapie?

Methodik: Qualitative Fallstudienanalyse in drei Krankenanstalten (Österreich, Schweiz) mit unterschiedlichen Versorgungsaufträgen. Erhebung durch 10 leitfadengestützte Einzelinterviews und ein Fokusgruppeninterview mit Vertreter:innen aus Physiotherapie, Management und IT. Auswertung mittels inhaltlich strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse entlang des Consolidated Framework for Implementation Research (CFIR).

Ergebnisse: Digitale Anwendungen werden grundsätzlich als sinnvoll wahrgenommen, ihre Nutzung bleibt jedoch selektiv. Die zentralen Barrieren liegen auf organisationaler Ebene (fehlende Governance, unklare Zuständigkeiten, begrenzte Ressourcen) sowie auf kultureller Ebene (Spannung zwischen impliziten therapeutischen Routinen und erforderlicher Explizitheit digital unterstützter Behandlungspfade, Autonomiebedenken). Individuelle Faktoren (digitale Kompetenz, Nutzenwahrnehmung) und technologische Aspekte (Usability, Integration) wirken als Verstärker bestehender organisationaler Bedingungen, nicht als primäre Ursachen. Explizit definierte Behandlungspfade sind kaum vorhanden; Pfadlogiken entstehen überwiegend implizit und bottom-up.

Diskussion & Schlussfolgerung: Erfolgreiche Implementierung erfordert Hybridsteuerung (Top-down Enabling durch Zielbild, Governance, Ressourcen und Bottom-up Ko-Design durch partizipative Ausgestaltung), klare Verantwortlichkeitsstrukturen, systematisches Enablement sowie PDCA-orientierte Verstetigung. Die Transformation von impliziten zu expliziten Behandlungspfaden ist primär als sozio-technisches Veränderungsvorhaben zu gestalten.