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P08 Second Victim Erfahrungen in der Ausbildung. Österreichweite Evidenz für eine curriculare Integrationslücke in MTD-H-Studiengängen

Bianca Steinlechner Pircher ist Lehrende an der fhg – Zentrum für Gesundheitsberufe Tirol und selbstständige Beraterin mit den Schwerpunkten Projektmanagement, Personalentwicklung sowie Lernen und Lehren im organisationalen Kontext. Sie verfügt über langjährige Expertise in Lehre und Forschung sowie in der internationalen Personal- und Organisationsentwicklung. Ihre akademische Ausbildung umfasst ein Diplomstudium der Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik sowie ein Masterlehrgang in Coaching und Organisationsentwicklung. In ihrer aktuellen Tätigkeit verbindet sie wissenschaftliche Expertise mit praxisorientierter Beratung, Coaching und Training. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte liegen insbesondere in der Kompetenzentwicklung, Qualitätsmanagement sowie innovativen Lehr- und Lernformaten.

Eva Jabinger verfügt über Kernkompetenzen in Führungs- und Entscheidungskompetenz sowie strategischem und prozessuellem Denken und bringt weitreichende Berufserfahrung im Bereich der Hochschule und im Gesundheitsbereich mit. Zu ihren Schwerpunkten zählen Projekt-Evaluation, Lehre und Begleitungen von Organisationen mit dem Fokus auf Patient:innensicherheit. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf praxisnahen Ansätzen mit wissenschaftlicher Rigorosität, um nachhaltige Verbesserungen in Bildung, Governance und Versorgungsprozessen zu fördern.

Posterpräsentation auf dem 2. Tiroler Symposium für Qualität im Gesundheitswesen 2026

Second Victim Erfahrungen beschreiben psychische und emotionale Belastungen infolge unerwarteter klinischer Ereignisse und sind für Gesundheitsprofessionen gut dokumentiert. Für Studierende der gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufe inklusive Hebammen (MTD-H) lieben bislang jedoch kaum systematische Erkenntnisse vor, obwohl sie im Rahmen klinischer Praktika früh patient:innennahe Tätigkeiten übernehmen und potenziell belastenden Situationen ausgesetzt sind.

Ziel dieser Studie war die Analyse der curricularen Integration des Second Victim Phänomens in österreichischen MTD-H-Bachelorstudiengängen sowie die Erhebung der Wahrnehmung von Studierenden hinsichtlich Vorbereitung und Unterstützungsbedarf.

Es wurde ein zweistufiges explorativ-deskriptives Design angewandt. In Phase 1 erfolgte eine systematische Analyse öffentlich zugänglicher Curricula sowie eine Online-Befragung von Studiengangsleitungen. Phase 2 umfasste eine österreichweite Online-Befragung von Studierenden im dritten und fünften Semester mit absolvierten klinischen Praktika (N = 217). 

Die Ergebnisse zeigen, dass belastende klinische Ereignisse bereits in der Ausbildungsphase häufig auftreten, während die curriculare Auseinandersetzung mit dem Second Victim Phänomen überwiegend als unzureichend wahrgenommen wird. Auf Basis der Ergebnisse wird ein didaktisches Rahmenmodell vorgestellt, das Sensibilisierung, Kompetenzentwicklung und strukturelle Verankerung systematisch verbindet.

Die Befunde unterstreichen die didaktische Notwendigkeit einer verbindlichen curricularen Integration zur Unterstützung professioneller Handlungssicherheit und Resilienzentwicklung.