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P06 Stark in Gesundheitskompetenz – eine Intervention zur Stärkung der Gesundheitskompetenz von Jugendlichen: Erfahrungen aus einem Projekt in Tirol

Mag.a Dr.in Claudia Zelle-Rieser ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am TiQG – Tiroler Institut für Qualität im Gesundheitswesen sowie Lehrende und Forscherin im Masterstudiengang Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen an der Fachhochschule Gesundheit (fhg) Innsbruck. Sie verbindet eine solide naturwissenschaftliche Ausbildung – Diplomstudium und Promotion in Mikrobiologie an der Universität Innsbruck – mit langjähriger praktischer QM-Erfahrung im klinischen Umfeld.

Von 2003 bis 2010 verantwortete sie die Einführung von Qualitätsmanagementsystemen in mehreren Departments der Tirol Kliniken und ist seither als zertifizierte Qualitätsmanagerin (ISO 9001, Quality Austria) in Lehre, Forschung und Praxis aktiv. Ihre wissenschaftliche Arbeitsweise sowie ihr fundiertes Verständnis klinischer Prozesse bilden die Grundlage für eine evidenzbasierte Qualitätsentwicklung im Gesundheitswesen.

Posterpräsentation auf dem 2. Tiroler Symposium für Qualität im Gesundheitswesen 2026

Hintergrund/Fragestellung
Eine unzureichende Gesundheitskompetenz bei Jugendlichen stellt eine wesentliche Herausforderung für wirksame Präventions- und Gesundheitsförderungsmaßnahmen dar. Daten der österreichischen Gesundheitskompetenzerhebung (HLS19‑AT) weisen darauf hin, dass viele junge Menschen Schwierigkeiten haben, gesundheitsrelevante Informationen zu recherchieren, einzuordnen und im Alltag anzuwenden. Gesundheitskompetenz wird dabei nicht nur durch individuelle Fähigkeiten, sondern auch maßgeblich durch soziale Lebenswelten sowie die Erreichbarkeit regionaler Unterstützungsangebote beeinflusst. Insbesondere die Schnittstellen zwischen Schule, Sozialraum und Versorgungssystem erfordern Orientierungskompetenzen. Vor diesem Hintergrund zielte das Projekt „Stark in Gesundheitskompetenz“ darauf ab zu untersuchen, wie Gesundheitskompetenz von Jugendlichen durch eine interventionelle Verknüpfung von schulischer Bildung, Prävention und lokalen Strukturen gefördert werden kann.

Methoden/Material
Das Projekt wurde im Rahmen eines Design‑Based‑Research‑Ansatzes konzipiert und umgesetzt. Grundlage bildete ein Drei‑Säulen‑Modell zur Förderung allgemeiner, digitaler und navigationaler Gesundheitskompetenz. In den Jahren 2023 bis 2025 nahmen rund 300 Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren aus 15 Tiroler Schulklassen sowie aus außerschulischen Angeboten teil. Die Intervention umfasste interaktive Workshops, curricular angebundene Lerneinheiten sowie eine location‑basierte, gamifizierte Rallye („Nebolus“). Regionale Gesundheits‑ und Sozialeinrichtungen wurden systematisch als Lernorte eingebunden und fungierten als Kooperationspartner:innen. Die Evaluation erfolgte mittels standardisierter Prä‑/Post‑Erhebungen sowie strukturierter qualitativer Rückmeldungen.

Ergebnisse
Das Programm stieß bei Jugendlichen, Lehrpersonen und beteiligten Einrichtungen auf hohe Akzeptanz. Die direkte Auseinandersetzung mit lokalen Unterstützungsangeboten erleichterte die Orientierung im regionalen Versorgungssystem, förderte Vertrauen und erhöhte die Bereitschaft zur Nutzung entsprechender Angebote. Die Zusammenarbeit mit regionalen Akteur:innen erwies sich insbesondere für die Stärkung der navigationalen Gesundheitskompetenz als förderlich. Gleichzeitig wurde auf Seiten der Einrichtungen ein erhöhter Koordinationsaufwand sowie begrenzte zeitliche Ressourcen sichtbar.

Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die strukturierte Einbindung lokaler Akteur:innen einen wichtigen Beitrag zur individuellen und gemeinschaftsbezogenen Förderung von Gesundheitskompetenz leisten kann. Die Befunde sprechen für eine Weiterentwicklung und Verstetigung entsprechender Ansätze in schulischen und außerschulischen Settings in Tirol sowie für eine Übertragbarkeit auf andere Zielgruppen.