Daniela Meßner, MSc, ist in der Stabsstelle Qualitäts-, Risikomanagement und Organisationsentwicklung am Klinikum Wels-Grieskirchen tätig, wo sie ihre langjährige klinische Erfahrung mit strategischer Qualitätsentwicklung verbindet. Ihre pflegerische Laufbahn begann mit der Ausbildung zur Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin am AZW Innsbruck, der sie eine Sonderausbildung für Intensivpflege an der fh gesundheit Innsbruck anschloss. Diese Praxisjahre in der Intensivpflege bilden das Fundament ihres tiefgehenden Verständnisses für klinische Abläufe und Risiken. Aufbauend darauf absolvierte sie den Masterstudiengang Qualitäts- und Prozessmanagement im Gesundheitswesen (MSc) an der fh gesundheit Innsbruck. Fachlich liegt ihr Schwerpunkt auf Risikomanagement, Qualitäts- und Projektmanagement sowie Prozessmanagement, ergänzt durch Expertise in der Zertifizierung und im QM-System nach ISO 9001:2015, im Dokumentenmanagementsystem sowie in der sanitären Aufsicht.
Posterpräsentation auf dem 2. Tiroler Symposium für Qualität im Gesundheitswesen 2026
Pflegende Angehörige tragen im häuslichen Umfeld wesentliche Verantwortung für das Medikationsmanagement – einen komplexen, vielschrittigen und fehleranfälligen Prozess. Obwohl sie dabei eine zentrale Rolle einnehmen, sind sie in bestehende Versorgungsstrukturen häufig kaum eingebunden und sehen sich im Alltag mit Wissenslücken, Schnittstellenproblemen sowie organisatorischen und emotionalen Belastungen konfrontiert.
Ziel dieser qualitativen Studie war es, die Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe pflegender Angehöriger im häuslichen Medikationsprozess zu erfassen sowie ihre individuellen Strategien im Umgang mit Unsicherheiten zu beschreiben. Dazu wurden zehn informell Pflegende in Tirol mithilfe halbstrukturierter Interviews befragt und die Daten mittels inhaltlich strukturierender qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz & Rädiker ausgewertet.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass häusliches Medikationsmanagement weit über die bloße Medikamentengabe hinausgeht: Es umfasst Organisation, Beschaffung, Vorbereitung, Verabreichung, Beobachtung sowie kontinuierliche Informationsabgleiche. Als besonders herausfordernd erweisen sich Medikationsänderungen und Versorgungsübergänge – insbesondere nach Krankenhausentlassungen –, da Informationen oft unvollständig, widersprüchlich oder kaum verständlich sind und Zuständigkeiten unklar bleiben.
Um den Prozess abzusichern, entwickeln pflegende Angehörige vielfältige individuelle Strategien: Routinen, Organisationshilfen wie Medikamentenboxen und selbst erstellte Listen, Kontrollmechanismen sowie aktive Kommunikations- und Informationsstrategien. Gleichzeitig erhöhen Adhärenzkonflikte und der Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln oder Hausmitteln bestehende Unsicherheiten. Deutlich wird dabei, dass Sicherheitsbarrieren im häuslichen Bereich häufig individuell und alltagspraktisch aufgebaut werden – und damit stark von den persönlichen Ressourcen und Kompetenzen der Angehörigen abhängen.
Ein zentrales Ergebnis ist der ausgeprägte Bedarf an niedrigschwelligen, persönlichen Ansprechpersonen für kurzfristige Rückfragen und Orientierung. Fehlende oder schwer erreichbare Unterstützung verstärkt Unsicherheiten vor allem in kritischen Momenten – etwa bei Medikationsumstellungen oder nach Entlassungen. Vor diesem Hintergrund unterstreichen die Befunde die Bedeutung strukturierter Unterstützungsangebote, etwa im Rahmen von Community Nursing, sowie die Notwendigkeit, pflegende Angehörige stärker in Kommunikations- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass Medikationssicherheit im häuslichen Setting einen systemischen Blick erfordert: Fehler entstehen selten allein durch individuelles Handeln, sondern im Zusammenspiel von Informationsqualität, Schnittstellenproblemen und strukturellen Rahmenbedingungen. Maßnahmen wie strukturierter Medikationsabgleich, verständnisorientierte Entlassungsgespräche und lernorientierte Systeme – etwa nach dem Prinzip des Critical Incident Reporting – können dazu beitragen, Risiken zu verringern und die Versorgungssicherheit nachhaltig zu stärken.
Insgesamt macht die Studie deutlich, dass Medikationssicherheit zuhause nicht allein durch individuelle Sorgfalt erreichbar ist. Sie setzt strukturelle, kommunikative und unterstützende Rahmenbedingungen voraus, die pflegende Angehörige als zentrale Akteur:innen im Versorgungsgeschehen anerkennen und gezielt stärken.